Maria 2.0 gründet (k)eine Kirchengemeinde!

Deckblatt Maria 2 (c) Andrea Keber
Deckblatt Maria 2
Datum:
So. 17. März 2024
Von:
Pfr. Hubert Hilsbos

Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland startete eine repräsentative Umfrage an ihre Mitglieder. Im November des vergangenen Jahres wurden die Ergebnisse veröffentlicht: 96 Prozent der deutschen Katholik/inn/en finden, dass sich die Kirche grundlegend ändern muss; 87 Prozent sind für demokratische Wahlen von kirchlichen Leitungspersonen und 95 Prozent sind für die Abschaffung des verpflichtenden Zölibates für Priester; 43 Prozent denken über einen ‚Kirchenaustritt‘ nach. – Alles nichts Neues.

Die hier angesprochenen Themen liegen schon lange auf dem Tisch, sind in dem „Synodalen Weg“ in Deutschland bearbeitet worden, … werden von Rom ausgebremst.

Die Reformbewegung Maria 2.0 hat jahrelang für Veränderungen demonstriert und Geschlechtergerechtigkeit auch in der Kirche immer wieder eingefordert. Jetzt sagt unsere Nieder-Olmer Maria 2.0 Gruppe, dass die Zeit des intensiveren Protestes und „Abarbeitens“ an kirchlichen Machtstrukturen vorbei ist, dass sie jetzt das tun möchten und dazu einladen, was für sie die Botschaft Jesu und christliches Zusammenleben bedeutet. Hierzu wurde ein interessantes und abwechslungsreiches Jahresprogramm zusammengestellt, das in einem Heftchen vorgestellt wurde. Das war auch der Anlass für ein Zeitungsinterview vom 29. Januar 2024.

Ja, die Überschriften zu diesem Interview „Gründung einer eigenen Kirchengemein-de“ lenken die Gedanken in eine falsche Richtung. Überschriften sind oft eine „Zuspitzung“, ein journalistisches Mittel das Aufmerksamkeit „erregt“ und so das Lesen eines Artikels geradezu „provozieren“ soll. (Nebenbei: Für die Überschriften sind die Interviewteilnehmer/innen nicht verantwortlich.) Wenn es dann nach dem Lesen der Überschriften auch zum Lesen des Interviews kommt, dann wird doch sofort klar, was wirklich gesagt und gemeint ist. Es geht darum, dass sich die (Macht-)Strukturen innerhalb des Systems Kirche nur sehr langsam ändern, seit mehr als zehn Jahren treten wir mehr oder weniger auf der Stelle, … Veränderungen gibt es nur in Kleinst-Schritten und innerhalb eines nicht-veränderbaren Kirchensystems, das den Mangel an Personal, Finanzen etc. lediglich verwaltet. … Es braucht die neue Weite und Freiheit der christlichen Botschaft, die menschlich und menschennah sich zeigt und gelebt wird; es braucht ein mehr und weit darüber hinaus …
Und hier sagt jetzt Maria 2.0 Nieder-Olm: Lass uns das doch noch mehr versuchen, als Gruppe innerhalb einer Kirchengemeinde. Ganz im Sinne einer „frühchristlichen Hauskirche“ oder einer christlichen Basisgemeinde oder einer ‚kleinen christlichen Gemeinschaft‘ wie in den Ländern Lateinamerikas oder Afrikas. Und noch einmal: Das geschieht nicht abgesondert oder gar losgelöst von Kirche oder einer Kirchengemeinde, sondern ist ein sehr lebendiger Teil davon. Alle Frauen und Männer, die sich bei uns in Nieder-Olm bei Maria 2.0 engagieren sind zugleich hoch engagierte Ehrenamtliche in unserer Pfarrgemeinde und anderen Pfarreien (PGR-Mitglieder, Mitglieder im Verwaltungsrat, Lektor/innen, Leiter/innen von Gruppen und Kreisen in der Pfarrgemeinde: Power-Club, Vorbereitung Erstkommunion, ...). Ihnen spalterische Tendenzen zu unterstellen, ist völlig absurd.

Danke Maria 2.0 für Protest und das Eintreten für eine menschlichere, gerechtere Kirche; - danke für Gottesdienste, Feste und Feiern, für die Erfahrung von christlicher Gemeinschaft. DANKE!